Geschichte

Zur Geschichte der „Tälesbahn"

Von der Eröffnung 1903 bis zur Betriebsaufgabe 2000

Viele Jahre mussten die Gemeinden des oberen Filstals im Kreis Göppingen für eine eigene Eisenbahnlinie kämpfen, bis die Nebenbahn Geislingen - Wiesensteig schließlich 1903 eröffnet werden konnte. Am Anfang stand sie für den industriellen Aufschwung Geislingens und des "Täles", doch ihre über 80 Betriebsjahre waren nicht immer rosig.

V 100 mit Personenzug auf dem Weg ins Täle

V 100 mit Personenzug auf dem Weg ins Täle (Bild: Sammlung U. Hügel)

 

In den ersten Jahrzehnten diente die Tälesbahn vor allem dem Personenverkehr, aber auch als Anschluss der regionalen Industriebetriebe an die große Welt. Dann kam 1934 der Nebenbahn eine weitere Aufgabe zu: Weil die Reichsregierung wegen ihrer Devisenknappheit und der anlaufenden Aufrüstung rohstoffunabhängig sein wollte, wurde begonnen, die eigentlich qualitätsarmen Erze, die unter dem Geislinger Michelsberg lagerten, abzubauen. Um die riesigen Erzmengen zum Bahnhof Geislingen und dann weiter in die Hüttenwerke im Ruhrgebiet befördern zu können, wurde die Strecke bis zum Bergwerk elektrifiziert und teilweise zweigleisig ausgebaut. Dazu errichtete man am Ortsende von Geislingen Richtung Bad Überkingen einen großen Ladebahnhof. Zur Entlastung des Bahnhofs Geislingen entstand im Eybtal ein Kehrbahnhof, wo die Züge dann zusammengestellt wurden und über das Gleisviereck sowohl Richtung Stuttgart als auch Richtung München das Tal verlassen konnten.
1963 wurde das Bergwerk geschlossen. Nachdem nach drei Jahren die lagernden Erzhalden abgefahren waren, endete die Ära der Erzzüge auf der Tälesbahn. Die nicht mehr benötigte Fahrleitung wurde abgeschaltet und 1974 komplett abgebaut.

Im Personenverkehr kam 1968 ein wesentlicher Einschnitt in den Betrieb der Tälesbahn: Das sanierungsbedürftige Teilstück Deggingen - Wiesensteig wurde stillgelegt und abgebaut. Noch bis Juni 1980 fuhren weiterhin Personenzüge bis Deggingen, ein Jahr später wurde bis dorthin auch der Güterverkehr eingestellt. Wegen des Fabrikneubaus der Mineralbrunnen AG wurde bis Februar 1982 die Bahnanlage zwischen Deggingen und dem ehemaligen Lokschuppen des Bergwerkes abgebaut.
Auf der alten Trasse zwischen Bad Überkingen und Wiesensteig befindet sich heute zum größten Teil der Radweg der Filstalroute. Hier kann man noch vereinzelt Spuren der Eisenbahn entdecken.

Weil über die Tälesbahn bis zum Jahr 2000 weiterhin Gleisanschlüsse bedient wurden, sind heute von den einst 21 km noch 4,45 km erhalten.

Güterzug für die WMF am Bahnhof Altenstadt

Güterzug für die WMF am Bahnhof Altenstadt (Bild: Sammlung M. Müller)

Sowohl für die Württembergische Metallwaren Fabrik (WMF) als auch das Stahlcenter Hagmeyer fand ein regelmäßiger Güterverkehr statt. Doch dann schien für die Tälesbahn das endgültige Aus zu kommen. Eine berechnete "Unwirtschaftlichkeit" im verbleibenden Güterverkehr führte zur Betriebsaufgabe der Strecke.

Weitere Daten zur Geschichte der Tälesbahn und interessante Bilddokumentationen über die zahlreichen ehemaligen Gleisanschlüsse in Geislingen, über den Kehrbahnhof Eybtal und das Bergwerk finden Sie auf der Internetseite von Reiner Schruft.


Reaktivierungsmaßnahmen durch die "Interessengemeinschaft Tälesbahn Geislingen e. V."

Vor der Betriebsaufgabe im Dezember 2000 war im Sommer desselben Jahres Gelegenheit anlässlich der 150-Jahr-Feier der Geislinger Steige Sonderfahrten der Lokalbahn (UEF) mit Dampfzügen von Amstetten über Geislingen bis zum Tälesbahnhof in Altenstadt durchzuführen.

Dampflok 75 1118 der UEF auf der Tälesbahn

Dampflok 75 1118 der UEF auf der Tälesbahn (Bild: E. Seiffer)

Durch den Erfolg dieser Veranstaltung ermutigt, schlossen sich mehrere Eisenbahninteressierte zur Initiativgruppe Tälesbahn zusammen mit dem Ziel, das Reststück wieder zu beleben. Seit 1999 verhandelte die Stadt Geislingen mit der Deutschen Bahn über den Erwerb der Strecke und konnte sie schließlich 2004 übernehmen. Im Februar 2004 wurde dann aus der Initiativgruppe die "Interessengemeinschaft Tälesbahn Geislingen e. V." gegründet, die sich für die Wiederinbetriebnahme der Strecke einsetzte.

Da die Stadt Geislingen als Eigentümer selbst kein Interesse an ihrer Bahninfrastruktur zeigte, konnte kein tragfähiges Konzept für eine Wiederaufnahme des Einsenbahnverkehrs auf der Tälesbahn erstellt werden, sodass 2011 der Gemeinderat der Stadt die Entwidmung der Strecke beschloss, um langfristig den Bau eines Radweges anzustreben.

Dampflok 75 1118 der UEF auf der Tälesbahn

Ein Prellbock im Bahnhof Geislingen markiert das Ende der Strecke.


Im Februar 2012 erfolgte die Entwidmung der Strecke, worauf die DB ein Gleisjoch hinter dem Einfahrsignal entfernte und einen Prellbock setzte. Damit endet nach 109 Jahren die Eisenbahngeschichte der Nebenbahn Geislingen-Wiesensteig.

(siehe auch Chronik und Aktuelles)




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Interessengemeinschaft Tälesbahn Geislingen e. V.